Attribute hat Jalta nicht wenige, aber eines noch nicht: „Stadt der Katzen“. Was die Eulen für Athen, sind die Katzen für Jalta. Man braucht sie nicht hinzutragen, denn es gibt genügend davon vor Ort. Und nicht nur Hauskatzen, verwöhnt von Frauchen und Dosenfutter mit naturidentischem Kaviararoma. Es sind vor allem die Hof- und Straßenkatzen, die verwildertern und heimatlosen, die das Stadtbild prägen. Früher wurden sie zusammen mit den herrenlosen Hunden aufgefangen und „beseitigt“, bestenfalls als Futter für den Zoo verwertet. Heute gibt es die „Arche“, ein privat initiiertes Tierheim mit reichlich beschränkten Mitteln, aber reichlich guten Vorsätzen. Sie kann natürlich nur eine recht bescheidene Tierzahl aufnehmen, sie medizinisch untersuchen, sterilisieren und nach Genesung wieder auf freie Pfote setzen. Aber auch tierliebe Menschen kümmern sich um die Streuner direkt auf der Straße und füttern sie. Dafür sorgen die Katzen mit ihrer bloßen Anwesenheit, laut Aussage des Gesundheitsamts, dafür, daß sich die Zahl der Mäuse und Ratten in der Stadt in Grenzen hält. Sie haben also ihr „Hoheslied“ verdient. Miau!
Mittwoch, 14. April 2010
Dienstag, 6. April 2010
Film ab!
Anachronismus pur!
Gerade erst ist der Osterhasi mit seinen nicht abgelieferten Eiern um die Ecke gewetzt und schon soll Nikolausi vor der Tür stehen?
Es sind aber tatsächlich nur noch 8 Monate bis St.Nikolaus. Also freuen Sie sich an der Vorfreude!
Sonntag, 28. März 2010


Vorhang auf zur Premiere!
An alle Schauspieldirektoren, Intendanten, Dramaturgen und Theaterfachleute:
Sie suchen den passenden Stoff für Ihre nächste Deutschlandpremiere?
Suchen Sie nicht weiter! Sie haben ihn hier gefunden!
Stück 1: „Papa, Mama, Kind“
Ein „Fall für zwei“ führt die „Mutter“ mit der „Tochter“ zusammen. Die bisher einander fremden Frauen gehen vorsichtig auf Tuchfühlung und versuchen, auch mit Tricks, sich kennenzulernen. Während die Beiden sich auf die Ankunft „Papas“ vorbereiten, werden ihre Doppelleben Schritt für Schritt aufgedeckt: bürgerliches Alltagsleben am Tag, „Spezialaufträge“ nachts.
Dann ein vollkommen unerwarteter Überschlag der Ereignisse: Spiel mit Unfall und Todesfolge oder beabsichtigter Totschlag?
Profis geben sich nicht der Hysterie hin, sondern bewahren kühlen Kopf. Die spannende Lösung des Falls führt zum überraschenden Ende des Stücks.
Stück 2: „Sankt Valentinsnacht“
„Tag der Verliebten“, St. Valentin. Ein Tag voller Leidenschaft und Liebe, sollte man meinen. Nicht aber, wenn die Helden eine lange schon vor sich hinschleichende Ehekrise durchleiden und in der Midlifecrisis stecken. Eine Kleinigkeit lässt alte Wunden aufbrechen.
Dann führt das plötzliche Auftauchen eines geheimnisvollen Fremden zu einem Aufruhr der Gefühle. Einbrecher, Verrückter oder doch der angebliche alte Bekannte? Psychothriller!
Dann folgen Verhör, Beweisaufnahme und Spurensicherung durch den Ehemann. Kriminalistenalltag.
Die verwirrte Frau versucht verzweifelt den vermeintlichen Strohhalm zu ergreifen und verlässt Haus und Szene. Happy oder Tragic End? Das liegt in der Hand des Regisseurs.
Stück 3: „Katz und Maus“
Am Anfang steht eine Massage, am Ende Selbstmord!
Und dazwischen? Ein ausgefeiltes Katz-und-Maus-Spiel. Sensationsreporterin deckt Lug und Trug zwischen Mann, Frau, Schwager, Schwägerin und zwischen Schwestern auf, bemerkt aber dabei nicht, dass sie selbst einer Verwechslung zum Opfer fällt.
Was ist verwerflicher, Betrug oder Verrat? Was kann man vergeben und vergessen?
Dann beginnt das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den ungleichen Schwestern. Konfrontationen mit der Vergangenheit. Wie lautet die Entscheidung? Weiterleben wie bisher, das Gewissen verdrängen oder die endgültige Konsequenz ziehen?
Alle drei Stücke sind aus der Feder des ukrainischen Autors Alexander Mardan, Odessa.
(Die Stücke 2 und 3 wurden von mir ins Deutsche übersetzt.)
Mardan hat seit 2003 sieben Theaterstücke geschrieben, die in der Ukraine, in Russland, Bulgarien und Israel auf vielen Bühnen mit Erfolg gespielt werden und auch an Festivals teilgenommen haben.
Die Stücke Mardans spiegeln die großen und kleinen Probleme der Menschen in der aktuellen, vielschichtigen Gesellschaft wider, wobei es keine Rolle spielt, dass die Stücke eigentlich im postsowjetischen Raum spielen, denn sie sind leicht auch auf europäische Verhältnisse übertragbar.
Die Stücke enthalten alle klassischen, psychologischen Elemente einer Handlung, die den Zuschauer in Spannung halten und oft erst spät die wahren Hintergründe des Spiels durchschauen lassen.
Fast alle Stücke sind für kleine Besetzungen (2-4 Personen) geschrieben und erlauben oft minimalen Bühnenaufwand.
Mardan ist Mitorganisator des alljährlichen Theaterfestivals in Odessa.
Er ist als Kurator zum bevorstehenden Theaterfestival „Neue Stücke aus Europa“ in Wiesbaden eingeladen.
Am 10.3.2010 erhielt er den Gogol-Preis der Nationalen Schriftstellerunion der Ukraine für seine Theaterstücke in Russisch.
Interessenten an einer Leseprobe oder weiteren Informationen bitte melden, (bevor es andere tun)!
Samstag, 16. Januar 2010
Einmal werden wir noch wach...

... heissa, dann ist...
Nein, kein Weihnachtstag, (dreimal hinter einander wäre dann doch des Guten zu viel!), sondern wieder einmal Wahltag.
Die Ukrainer sind aufgerufen, ihren Präsidenten zu wählen. Qual der Wahl. Auswahl aus 18 Kandidaten.
Aussichtsreichste Kandidaten, jeweils nach eigener Meinung, sind der Führer der Regionenpartei, der zweifach vorbestrafte und zweifach gewesene Ministerpräsident, Viktor Janukovitsch und die amtierende Ministerpräsidentin, Julia Timoschenko. Die Anderen haben kaum nennenswerte Chancen, der amtierende Präsident Viktor Juschtschenko eingeschlossen. Sie haben zum Teil auch nur Marionettenfunktion.
Wie im Wahlkampf üblich wurde kräftig mit Dreck um sich geworfen und das Blaue vom Himmel herunter versprochen. Die weltweite Krise, die Grippeepidemie und der Gasstreit lieferten dazu genügend Begleitmaterial.
Am 17.1.10 findet die erste Wahltour statt, eine zweite Stichwahl ist nicht ausgeschlossen.
Jalta nimmt auch beim Thema Wahlen eine herausragende Stellung ein: bezogen auf die gesamte Ukraine ist die Wahlbeteiligung fast konkurrenzlos niedrig, und krimweit sogar ganz unten angesiedelt. Müde Genossen? Keine Frage, denn eigentlich wollen die Bürger nicht alle Jahre wählen gehen, sondern einfach in Ruhe sicher und gut abgesichert leben, regiert von ehrlichen und verantwortungsvollen Politikern. Wer wollte das nicht?!
Und wie ist ihre Prognose für den Wahlausgang? Geben Sie Ihren Kommentar ab, (ohne dabei ein politisches Risiko einzugehen)!
Freitag, 8. Januar 2010
Weisse Pracht

Schnee in Jalta, auf Meereshöhe, das ist keine Unmöglichkeit, aber ziemlich selten.
Rechtzeitig zum orthodoxen Weihnachtsfest hat es am 5.Januar anhaltend geschneit. Von den hohen Bergen bis ans Meer zieht sich die weisse Decke. Aber ach, der Pracht ist keine lange Dauer beschert.
Vom Norden her schützt die Kette der über 1000m hohen Berge die Südküste vor grimmigem Festlandsfrost und von Süden wärmt mit plus 10Grad beständig die natürliche Klimaanlage, das Schwarze Meer.
Und das ist gut so. Denn die Stadt, als Institution, ist in keiner Weise auf Schnee vorbereitet. Private Räumpflicht gibt es nicht, (Erbe aus der Sowjetzeit!). Räumdienste, die bei kleinsten Flöckchen schon in den Startlöchern sitzen und entsprechende Gerätschaften gibt es nicht. Das einzige Personal sind die städtischen „Strassenkehrer“, die „Dvorniki“. Sie haben mit ihren handgefertigten Besen, (Goethe würde sich im Grab herumdrehen!), keine Chance gegen die Natur(-katastrophe).
Und so regelt sich alles im Lauf der Zeit auf natürliche Weise: Fußgänger trampeln und Autofahrer walzen den Schnee zuerst fest, der sich dann in so etwas wie Glatteis verwandelt, das sich dann unter Einwirkung der Temperatur in dreckigen Matsch und schließlich in braune Brühe verwandelt. Der marode Zustand der Kanalisation, falls überhaupt vorhanden, sorgt dafür, dass die Überschwemmungen und Pfützen noch lange an die einstige weisse Pracht erinnern.
Fazit: Der Schnee von gestern ist der Matsch von heute.
Schade übrigens für die Kinder, denn die eiligst errichteten Schneemänner zerschmelzen ebenso schnell wieder.
Aber wie sagt man im Wilden Westen so treffend: „Nur kein Winter ist ein guter Winter“.
Montag, 21. Dezember 2009
Was speisen Götter?

Ambrosia?
Manna?
Nektar?
Nein!
Götterspeise!
Es gab Zeiten, in denen ich mir aus Deutschland immer mal etwas leckeres mitbringen ließ, Leckereien, die es hier nicht oder nur schwer zu bekommen gab. Unter anderem auch Götterspeise. Von Kind an war ich von dem süßen, glitschig-wabbelnden Etwas begeistert.
Eine Serie von Dokumentationen im ukrainischen Fernsehen weckte seit diesem Jahr in mir die vitale Neugier, mehr über das zu erfahren, was ich denn so esse. An dieser Stelle gleich meine Hochachtung dafür, dass so etwas überhaupt offen im Fernsehen gezeigt werden kann! (Ehrlich gesagt, würde ich heute wesentlich ruhiger leben, wenn ich meine Neugier unterdrückt hätte!)
„Qualitätssiegel“ titelte eine Serie, in der alle möglichen Lebensmittelbereiche von einem unabhängigen Institut untersucht wurden. Parallel zu den Ergebnissen wissenschaftlicher Analysen wurden auch die Meinungen der Verbraucher erfragt. Als erschreckend aufschlussreich erwiesen sich die Ergebnisse der Wissenschaftler, die zum Teil bestätigten, dass mit Hilfe einer bunten Werbewelt eigentlich nur (Ernährungs-)Müll verkauft und gegessen wird.
Wohl als zwingende Folge dieser Größtenteils beunruhigenden Ergebnisse wurden einzelnen Themen ganze Sendungen in Spielfilmlänge gewidmet. (Dazu später mehr!)
Als Folge für mich und meine Familie stellten wir eine Liste der Produkte auf, die noch mehr oder weniger ohne unmittelbare Gefahr für Leib und Leben genießbar sind. Seither ist einkaufen gar nicht mehr so einfach und immer irgend wie von einem unterschwelligen schlechten Gewissen begleitet.
Nun habe ich die kleingedruckte Inhaltsangabe der Götterspeise studiert, analysiert und anschließend die nicht mehr schwere Entscheidung getroffen, den „Lebensmittel“-Müll einfach zum anderen Müll zu werfen.
Würden Sie, zum Beispiel, eine Mischung aus E104, E110, E122, E131, E297, E330, E337, E407, und Zucker, das alles in Wasser aufgelöst, essen? Wenn Sie schon mal Götterspeise gegessen haben, dann anworten Sie mit ja.
Sind Sie inzwischen Allergiker? Nein? Dann haben Sie aber Glück gehabt!
Ich, jedenfalls, bin mir jetzt sicher, dass Götter diese Speise nicht zu sich nehmen!
Samstag, 28. November 2009
Warum einfach?

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Ein Motto, das sich hier durch viele Bereiche des täglichen Lebens zieht.
Welche laufenden Ausgaben hat ein Wohnungsbesitzer in Deutschland? Elektrische Energie, Gas, Zentralheizung, Wasser, kommunale Abgaben (z.B. Müll), Telefon, Fernsehen. Da kommt einiges zusammen.
Und jetzt stellen Sie sich vor, dass es für jede Abgabe ein Quittungsheftchen gibt, mit dem Sie zu festgelegten Terminen auf einer Bank, Sparkasse oder der Post erscheinen und bezahlen müssen!
„Welch ein Wahnsinn“, werden sicher nicht wenige ausrufen.
Wahnsinn, aber Praxis, überall im postsowjetischen Raum. Lange Warteschlangen und ein nicht zu beziffernder volkswirtschaftlicher Schaden durch verlorene Zeit kümmern hier niemand von den Verantwortlichen. Und daß auch der Postsowjetmensch das Warten noch im Blut hat, ist überall zu sehen.
Erst seit Anfang diesen Jahres haben zwei, drei Banken den Anfang gemacht und bieten für ihre Kunden Abbuchungsverfahren als Daueraufträge an. Haken an der Sache ist aber der, dass außer den Gebühren für Fernsehen und kommunale Abgaben/Müll alle anderen verbrauchsabhängig sind, also praktisch nicht mit einem festen Betrag bezahlt werden können! Lösung dafür wäre einzig die Einführung eines Systems, (wie in Deutschland), mit Abschlagszahlungen und einer jährlichen Generalabrechnung. Aber damit sind die Dienstleister organisatorisch und mental offenbar überfordert, wobei eine gehörige Portion Misstrauen gegenüber den Abnehmern sicher auch eine Rolle spielt.
Also bleiben auch weiterhin die Warteschlangen ein gewöhnliches Bild im Alltag. Das Positive daran ist, dass man wenigstens immer jemanden zum Plaudern vor und hinter sich hat.
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